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FIAT LUX

 

Ein Mann mit verflucht viel Gesichtern: Haito, der Doktor Mabuse des deutschen Dancefloors. Angefixt durch das eklektizistische DJ-Frühwerk von Hans Nieswandt und Eric D. Clark, trainiert auf den Wagen der Loveparade, ins Vinyl gepresst von so grundlegend unterschiedlichen Labels wie Kickboxer, Spagat, Malatoid, Low Spirit und Acker Records, ist unser Held  ein mit allen Kondenswassern gewaschener DJ, versierter Produzent . Dementsprechend offen hält sich Haito seine Kanäle, sammelt Input wie andere Briefmarken, vermählt gerne mal scheinbar Zusammenhangloses und landet dennoch als begnadeter Akustikkuppler von katzengleicher Anmut stets auf allen Vieren. Fallhöhen fürchtet der Mann definitiv nicht, denn er hat das beste Polster von allen: Skills. Jene kamen ihm gut zupass bei der Produktion von „Fiat Lux!“, dem Multiplex unter den Debut-Alben, so bunt, so spannend, so bildhaft erzählt Haito seine Geschichten aus dem Club, erweist sich als veritabler Meister filmischer Dramaturgie. „Es werde Licht“, damit kann nur das Licht gemeint sein, mit dem das Zelluloid auf die Leinwand projiziert wird, der Startschuss für ein mehr als abwechslungsreiches Reigen der Stile, Genres, Ideen, Sounds und Beats von abendfüllendem, weil kurzweiligem Format.Vom beschwingten Groove einer mitreißenden High-School-Komödie („I ro love“), über die schwüle Hitze eines fremdartigen Marktplatzes, den James Bond gleich mittels Verfolgungsjagd total zerlegt („Pusher“), bis hin zum Motorenzischen eines Manga-SF-Roadmovies („Green Lights“) kann Haito scheinbar alles vertonen, was ihm so in den Sinn kommt und das ist eine ungeheure Menge.Das Hardcore-Kontinuum wird mit dokumentarischen Mitteln und elegant übers Knie gebrochenen Drumpatterns gepflegt („Drug People“);  Alfred Hitchcocks Duschvorhangschlitzer wird per Electrofunk ins All geschossen („Freedub“); harmonische Tiefenschärfe trifft auf elegant aufgerauhten Diskurssägezahn („Disconnect“), und sogar der in Andalusien spielende Yakuzakracher mit Renaissance-Kostümen findet seine wahre Bestimmung im Spinett-Rave von „Non Plus Ultra“. Klingt verwirrend? Keine Sorge, das liest sich nur so. Beim ersten Anhören wird alles klarer, denn: the music is the teacher. Und intelligenter Samplezuschnitt, vierdimensional flockende Synths und locker federnde Percussion haben sowieso immer Recht. Ein Leckerbissen ist mit Sicherheit „E-Love“ in der 2009-Version, eine Neubearbeitung des 08er Hits auf Kickboxer, die dem subtil bouncenden Clapper ein paar ausgefuchste Sambapianos in die Hosentasche schmuggelt während sie ihm zur Ablenkung einen Kometenschweif auf die Stirn malt. Zu guter Letzt findet sich nach dem Wallstreet-Psychothriller „Mummy“ und dem (in einer besseren Welt) neuen GZSZ Titelsong „Komm mal klar“ sogar noch die Hymne für den Abspann ein: das von Eric D. Clark gesungene „The need to believe“ zieht so ziemlich alle emotionalen Register, um das Publikum auch nach der allerletzten Filmrolle nicht aus seinem Bann zu lassen. Sommerblockbuster, Du hast einen neuen Namen: „Fiat Lux“.